Tourenlager St. Antönien 11. bis 16. 2. 2008
Text von Fabio Casetti, J+S-Leiter
"Frau Hemauer, das ischs coolste Tourelager gsi" rief Dominique strahlend am letzten Abend des Lagers beim Eintreten in die Küche und fasste das Tourenlager der Kantonsschule Oerlikon in St. Antönien sehr treffend zusammen. Ich machte in der JO (Jugendorganisation) auch noch ein wenig Werbung und so war die Kanti nicht für sich.
Wir hatten eine super Woche: stets einen strahlend blauen Himmel und der Bergführer führte uns in unvergessliche Pulverschnee-Hänge.
Am Montag trafen wir uns in Zürich im zweitvordersten Wagen des ICs Richtung Landquart, welches wir mit Verspätung erreichten. Der fahrplanmässige Zug fuhr uns vor der Nase weg. Glücklicherweise wurden wir vom Zusatzzug nach Küblis mitgenommen, wo ein Postauto auf uns wartete und uns in das sonnig-verschneite St. Antönien brachte. Wir bezogen die Gruppenunterkunft im Hotel Rhätia. Nach einer Stärkung ging es auf unsere erste kleine Tour mit dem Ziel "wie findet man im Schnee vergrabene LVS (LawinenVerschüttetenSuchgeräte)?". Nachdem alle eifrig gesucht hatten und fündig geworden waren, machten wir uns für die erste Pulverschneeabfahrt auf. Die Einen fühlten sich im unpräparierten Gelände noch nicht so zu Hause, die Anderen stiegen gleich nochmals auf, um weitere Spuren in den Schnee zu zeichnen. Zum Abendessen gab es eine superfeine Marronisuppe (Rezept von Frau Hemauer) und Gschwelti mit diversen Saucen und Alpkäse.
Nach einer nicht ganz erholsamen Nacht - die Lüftung oder Heizung rauschte immer wieder - ging es nach einem ausgiebigen Frühstück auf das Jägglisch-Horn. über die Abfahrt lässt sich nicht viel sagen: Sie war einfach super! Die Jungs Danilo, Dominique und Terry bauten nach der Tour am gegenüberliegenden Hang einen Kicker (Schanze). Zum Abendessen kochten wir älplermakronen. Es schmeckte allen hervorragend und alles wurde brav aufgegessen. Zum Nachtisch vertieften wir uns in die Lawinenkunde.
Deshalb hatten wir auch am Mittwoch wieder super Wetter und gelangten über das St. Antönierjoch nach österreich. Auf dem Grat massen wir mit gleichlangen Skistöcken die Hangneigung und überprüften, was wir am letzten Abend theoretisch gelernt hatten. Der Apfelstrudel in einer Alphütte in österreich war lecker. Eine verdiente Zwischenverpflegung vor dem bevorstehenden Gegenanstieg. Am Abend stärkten wir uns mit Spaghetti und Tomatensauce oder Pesto für den nächsten Tag.
Am Donnerstag bestiegen wir den Spitzenbüel. Diesmal schafften es alle. Und wieder erwarteten uns pulverschneeverschneite Hänge. Nach der Tour ging es wieder auf den Kicker und die Jungs wirbelten durch die Luft bis sie im weichen Schnee zur Landung aufsetzten. Zum Abendessen gab es ein Weihnachtsmahl. Braten mit Kartoffelstock und Dörrbohnen. Chef de Cuisine war Thomas Gisler, seine Assistenten Laurin und Simon kreierten zum Dessert äpfel im Schlafrock.
Es war bereits Freitag und wir bestiegen den Eggberg von Nordosten aus. Auf dem Gipfel genossen wir die Sonne und beobachteten, wie im Flachland der Nebel lag und sich langsam in die Alpentäler ausbreitete. Für die Abfahrt in einem jungfräulichen Hang stiegen wir über den Grat in Richtung Hasenflüeli auf. Die Abfahrt war so atemberaubend, dass Pascal und ich gleich nochmals aufstiegen. Als auch wir ins Dorf gelangten, hatten die Jungs bereits den zweiten Kicker gebaut. Ich wollte es auch ausprobieren, musste meine Angst überwinden, um über dieses Riesending zu fahren, zu fliegen und im weichen Schnee aufzusetzen. An diesem späten Nachmittag waren alle am Schanzenspringen. Delia lieh sich das Snowboard von Alice und entdeckte vielleicht ein neues Hobby. Maddy, unser Gast aus Neuseeland, war mehr in der Luft als auf dem Boden. Als die Sonne hinter dem Chrüz unterging, beendete das Tageslicht die Kicker- und Fotosession. Wir gingen zurück in die Unterkunft, um uns für das Nachtskifahren auszuruhen und zu stärken. Leider stieg der Dunst in dieser Nacht bis nach St. Antönien und das Nachtskifahren fand nicht unter den Sternen sondern im Nebel statt. Die Stimmung war dennoch reizvoll und ausgerüstet mit Fackeln und Stirnlampen wurde der Dorf-Anlass zum "Gaudi". Nach dem Nachtskifahren, um 22.00 Uhr, gab es noch einen Dessert und um halb zwölf schliefen alle erschöpft ein.
Am Samstagmorgen nach einem ausgiebigen Frühstück mit selbstgebackenem Zopf reinigten wir die Unterkunft. Danach machte sich die Gruppe auf die letzte Tour. Wir bestiegen schweisstropfend das Chlini Chrüz. Das Wetter war wieder strahlend blau und warm und Christian Tschudi erzählte von seiner Bergführerausbildung, dass wir uns die Bäuche vor Lachen halten mussten. Auch die letzten Abfahrten in diesem Lager waren unverfahren und pulvrig. Um drei Uhr stand das Postauto vor dem Hotel Rhätia und brachte uns von St. Antönien nach Küblis. Dort verliessen uns bereits die ersten, um weitere Wintertage im Bündnerland zu verbringen. Die Rhätische Bahn hatte diesmal an uns gedacht und einen Wagen für uns reserviert aber mit etwa einer Viertelstunde Verspätung. Zum Glück wartete der Anschluss-Zug in Landquart und wir konnten unsere reservierten Plätze belegen. Auf der Heimreise machte ich noch Werbung für unsere JO und verteilte Interessierten Anmeldeformulare. Es wurde zum letzten Mal gejasst und alle waren froh, dass sie am nächsten Tag ausschlafen konnten.
"Frau Hemauer, das ischs coolste Tourenlager gsi!" Ein Lob aus einem strahlenden Gesicht, ein unbezahlbarer Lohn für die Organisation von Lagern für Jugendliche. Vielen Dank allen Beteiligten für das gelungene Tourenlager.
