Theater Weltuntergang


Kommentar von Thomas Stricker
Schon der Titel "Weltuntergang" lässt erahnen: Kein heiterer Theaterabend erwartet das Publikum. Jura Soyfers Stück schildert in eindringlichen Bildern, wie die Menschen aus purer Gewinnsucht und dummem Egoismus es versäumen, ihren bevorstehenden Untergang zu verhindern.
Mit viel Spielfreude erzählen uns die jungen Schauspieler die traurige Wahrheit: Der Mensch zerstört sich selbst. Der Untergang ist nicht aufzuhalten. Die Menschen sind dazu unfähig. Wenn junge Gymnasiastinnen und Gymnasiasten vor einem eher jungen Publikum Soyfers Parabel spielen, wirkt sie enorm stark. Denn es ist doch immer die junge Generation, die hoffnungsvoll und hoffnungsfroh in die Zukunft schaut und diese ihre einzige Erde mitgestalten will. Und hier spielen sie deren Ende. Dieser Kontrast verfehlt seine Wirkung nicht. Sie ist stärker, als wenn gestandene Schauspieler in einem grossen Theaterhaus es dem mittelalterlich-arrivierten Publikum wieder einmal zu verstehen geben, wie schlecht die Welt und bös der Mensch doch sei.
Barbara Sidler hat mit ihrem Produktionsteam wieder eine tolle Leistung erbracht. Dank ihrer überzeugenden Regie verschmelzen Bild und Alain Schudels Cellobegleitung mit der Sprache, die in witzigen Monologen und Dialogen, in lustigen Massenszenen und in eindrücklichem chorischen Sprechen das Publikum immer wieder überrascht.
Es macht umso mehr Freude, als nach zwei Stunden Theatergenuss die Welt dann eben doch nicht untergeht. Der Deus ex macchina, der die Menschheit in letzter Minute rettet, ist jener Komet, der sie eigentlich hätte zerstören müssen. Wie er sich der Erde immer mehr nähert, bemerkt er, wie schön sie ist, verliebt sich in sie, kehrt um, um der Sonne Bericht zu erstatten.
Heisst das, dass nur ein Wunder die Welt retten kann? Oder die Hoffnung auf ein Wunder?
