Von Quatemberkindern und Schneewittchen
Zur Lesung von Tim Krohn an der KSOe (1. 12. 2008)
Berrin Pennetta, 5u
"Momänt, da fählt e Siite... Ja nei... Es chunnt, es chunnt..." Souverän liest Tim Krohn weiter aus seinem Buch "Vrenelis Gärtli (2007)" vor. Gespannt hören drei Klassen dem Schweizer Autor zu. Wie schon sein erster Roman (Quatemberkinder, 1998) handelt auch die eben erwähnte Fortsetzung von Quatemberkindern. Diese sind nicht wie andere Menschen, denn sie stecken mitten zwischen zwei Welten. Zum einen leben sie ganz normal unter uns, aber gleichzeitig hausen sie in einer wundersamen Welt der Geister und Hexen.
Tim Krohn versucht den Leser dieses Schweben spüren zu lassen. Er erreicht dies, indem er uns in eine Welt voller Zauber und Mythen eintauchen lässt; er greift auf Schweizer Sagen und Geschichten zurück, biegt sie zurecht und schreibt sie neu. Ebenfalls zauberhaft wirkt die Sprache, in der die Bücher geschrieben sind. Tim Krohn ist nämlich bilingual aufgewachsen - er wurde 1965 in Deutschland geboren und kam 1966 in die Schweiz, wo er in Glarus aufwuchs. Er spricht sowohl perfekt Hochdeutsch als auch Glarner Dialekt. Da er für das Schweben der Quatemberkinder und die faszinierende Welt der Sagen keine schriftdeutschen Worte finden konnte, das Buch aber auch nicht auf Schweizerdeutsch hat schreiben können, weil es niemand gelesen hätte, hat er sich für eine Mischform entschieden. Er verwendet so viel Mundart, dass die Geschichte plausibel wirkt.
Diese Sprachwelt fesselt und nachdem er ca. 45 Minuten vorgelesen hat, müssen sich alle zuerst einmal strecken. Nach einer kurzen Diskussionsrunde beweist uns Tim Krohn, dass er auch ein echter Teamplayer ist. Gemeinsam mit einem Komponisten, einer Musikerin und einem Kind entwickelte er das Hörspiel "Schneewittchen" (als Hörbuch 2008). Auch daraus gibt er uns eine Kostprobe. Tim Krohn liest und singt, seine Mimik wechselt in Sekundenschnelle von rabiat zu glückselig, die Furchen auf seiner Stirn weichen den Lachfältchen um seine Augen und so zieht er uns erneut in seinen Bann.
Auf die Frage, wie Tim Krohn zum Schreiben gekommen sei, antwortet er, die Geschichten würden ihn quälen und in ihm spuken, bis er sie schliesslich niederschreiben müsse. Ich denke, wir alle hoffen, dass Tim Krohn noch lange plagende Geschichten in sich tragen wird.
Literaturhinweise:
Tim Krohn, Vrenelis Gärtli, Eichborn, Berlin 2007
Tim Krohn/Jürg Wickihalder, Schneewittchen, Hörbuch mit Tim Krohn (Erzählung, Gesang) und Vera Kappeler (Flügel, Harmonium & Toy Piano). Zeichnungen: Elisa Ortega, Christoph Merian Verlag, Basel 2008
