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Lesung Ilija Trojanow

 

 
Text: Nicolas Hintermann, 6a
Fotos: Florian Brunner und Jan Winkler, 6b

KSOe Der Weltensammler in Person erschien ganz nach indischer und arabischer Tradition zu spät zur Vorlesung, bepackt mit einem überdimensionalen Rucksack, als wäre er eben von einer seiner weiten Reisen zurückgekehrt. Doch keiner der Anwesenden nahm es ihm wirklich übel, denn kurz nach seiner Ankunft überraschte er alle mit seiner Direktheit und seiner offenen Art und Weise, das Publikum in ein direktes Gespräch zu verwickeln.
Ilija Trojanow ist eine äusserst interessante Persönlichkeit, da er wahrlich haargenau unseren Vorstellungen eines Weltensammlers entspricht, wie übrigens auch sein viel gepriesenes Werk betitelt ist. Natürlich erzählte Herr Trojanow gleich von Anbeginn weg von seiner ziemlich abenteuerlichen Vergangenheit: Als Kind bulgarischer Eltern (daher stammt auch sein Nachname, da Trojan eine Ortschaft am Nordhang des Balkangebirges ist) wurde er mitsamt seiner Familie bereits früh in seinem Leben gezwungen, das Heimatland zu verlassen und so gelangte er über italienische Auffanglager schlussendlich nach Deutschland, wo der Familie Asyl gewährt wurde. Dort blieb sie jedoch nur relativ kurze Zeit, da der Familienvater eine Stelle in Kenia angenommen hatte. Und so begann eine weitere Reise, eine nächste Entwurzelung. Diese Reisen und Entwurzelungen sind bis heute noch nicht abgeschlossen...

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Da Herr Trojanow keine Vorlesung im eigentlichen Sinn halten wollte, konnten die Schüler ziemlich schnell die vielen Fragen stellen, die im Laufe der Lektüre von "Der Weltensammler" aufgekommen waren. Mit der Beantwortung dieser Fragen konnte er sich auch erlauben, ziemlich abzuschweifen und ausführlich über den Prozess der Entstehung seines Werkes zu sprechen. über die Vorteile eines Dialogs, die Bedeutung von Mantren, bis hin zu Einblicken in die vedische Mythologie und in das grösste Epos der Literaturgeschichte, das Mahabharata, war für jeden etwas dabei.
Ein äusserst wichtiger Punkt, den Herr Trojanow immer wieder erwähnte, war auch der schwer definierbare Begriff "Identität". Diese basiere zum grössten Teil auf dem Zusammenfluss - und nicht Zusammenprall - der verschiedenen Kulturen, die sich im Verlaufe der Zeit auf dieser Welt entwickelt haben. Um eine solche Identität überhaupt annehmen zu können, muss dafür gesorgt werden, dass einen die Umgebung akzeptiert und dass man sie im Gegenzug liebt. Erst an diesem sehr subtilen Punkt darf man von Identität sprechen und selbst dann ist man noch weit von der Wahrheit entfernt.
Starke Worte eines Richard Burton der Neuzeit, in einer Zeit des Kulturpessimismus, der interkulturellen Konflikte und der Wiederbelebung der nationalistischen Bewegungen.

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